Aktuelles

 

Im Laderaum sind 2 Andruckpressen, 1 historische Albion-Kniehebelpresse, 100 Sätze Blei- und  Holzbuchstaben, Pappschere, Stockpresse und unfangreiche Handwerkzeuge. Es stehen 4-6 Arbeitsplätze zum Setzen, Drucken oder Buchbinden zur Verfügung. Im Hintergrund viele typografische Plakate, Beispiele und gestaltete Texte zu Themen unserer Zeit (siehe Produkte).

1958 wurde GERTRUD als Motorschiff nach Deutschland verkauft. GERTRUD  fuhr jetzt von Norderney aus im ganzen Nordwesten: Steine aus Lemmer (NL), Pumpenteile aus Oldenburg, Fischkonserven aus Odensee (DK) und natürlich alle Frachten vom Festland nach Norderney. Im letzten Jahr haben wir Hans auf Norderney getroffen, der mehere Jahre auf GERTRUD als Matrose gefahren ist und wundervolle Geschichten erzählen kann. 

2015 Anfang Februar kam ein  Anruf aus den Niederlanden: "Ist da Gertrud?" Es meldet sich ein Jan Fransbergen und berichtet er sei auf GERTRUD geboren...! Er fragt wo das Schiff liegt und will ein Foto senden. Im Juli fahren wir mit kleiner Crew nach Wismar, Rostock etc. und bei uns ist auch Geert (ein Niederländer, der auch lange in Hamburg gearbeitet hat) der jetzt in Amsterdam lebt. Ich bitte ihn Kontakt mit Jan Fransbergen aufzunehmen. Ende Juli treffen überraschende Neuigkeiten ein: Sein Vater fuhr als Matrose auf  NOVA CURA unter Jan Willem van der Meer und hat um 1932 das Schiff mit Hilfe eines Kredites von der Kaffeesirupfabrik aus Zarsluis gekauft. Er selber wurde 1939 an der Noordersluis geboren, weil dort medizinische Hilfe zu bekommen war. Auf dem Foto (1939) ist sein Vater auf dem Großbaum sitzend, sein Bruder Andre,, Schwester Sjoukje und das Nachbarmädchen zu sehen. Seine Mutter rechts ist gerade schwanger mit ihm. 1942/1943 hat sein Vater das Segelschiff mit Hilfsmotor eingetauscht gegen ein motorloses Frachtsegelschiff, da die Deutschen (II. Weltkrieg) alle Schiffe mit Motor beschlagnahmen wollten. So kam Hajo de Koe in den Besitz der NOVA CURA und lies es am 25.10.1943 in Meppel unter dem Namen ANIMO eintragen. Wir hoffen von Jan Fransbergen noch mehr zu erfahren und etwas mehr Licht in die Vergangenheit von GERTRUD zu bringen.

 

Auf Spurensuche 2016 ab Mitte Juni

Wir alle wollen wissen, woher wir kommen, was unsere Vorfahren gemacht haben und wer sie als Person waren! So geht es uns auch bei diesem historischen Schiff. Wer so viele Jahre ein Wrack in wirklich mühevoller Arbeit restauriert, will wissen mit wem er es eigentlich zu tun!

Wir begeben uns mit dieser Fahrt zum 106. Geburtstag von GERTRUD auf eine Spurensuche über ihre wechselvolle Geschichte. Wir wollen mehr über dieses Schiff NOVA CURA erfahren, Spuren entdecken und versuchen ihren Weg  nach zu vollziehen. Es gilt Bruchstücke zu sammeln, sie mit unseren Erfahrungen zu ergänzen und danach alles wieder neu zusammen zu setzen. Ein so großes Segelschiff kann nicht einfach über 100 Jahre im Nordwesten fahren, ohne Spuren zu hinter lassen! Wir müssen uns selber auf den Weg machen und versuchen so ein Schiffsleben nach zu zeichnen, denn es hat auch etwas mit unserem Leben zu tun, mit unseren Gedanken und Gefühlen. Wo sind Begegnungen mit Menschen, Häfen und anderen Schiffen, wo Brüche und Lücken, die es gilt mit Wissen zu ergänzen, aufzuschreiben und künstlerisch auf einer anderen Ebene umzusetzen. Auf Norderney wollen wir die Kinder der ehemaligen Eigner treffen und auch den ehemaligen Bootsmann Hans und einen wundervollen Nachmittag mit Kaffee & Kuchen auf GERTRUD verbringen. Danach soll es über die "Stehende-Mastroute" nach Meppel gehen, eine Stadt in der GERTRUD 1910 gebaut wurde. Anschließend geht es je nach Wind und Wetter weiter durch unser schönes Nachbarland Holland.

 

 

Wohin die Reise geht...!

Reiseroute: Anfang bis Mitte Mai: von Lübeck nach Oldenburg

über den Elbe-Lübeck-Kanal -Elbe-Seitenkanal - Mittellandkanal - Dortmund-Ems-Kanal  -

Ems - Oldersum - Diedrich-Werft.

Ab Mitte Juni: Museumshafen Leer - Norderney - Holland - Leer

Zeitraum: Mitte August bis Mitte  September 

 

BESUCH

Am 19. Juni hoher Besuch in Leer: Jan & Johanna Fransbergen an Bord bei GERTRUD. Jan ist 1939 auf GERTRUD (Nova Cura) geboren! Sein Vater hat von 1934 bis 1942 die Nova Cura als Eigner gefahren. Danke für die spannende Berichte aus der Geschichte von GERTRUD.

 

 

 

Johanna und Jan Fransbergen (Sohn des ehemaligen Eigners). Er ist auf der Nova Cura -heute GERTRUD- geboren.
 Worst Werft in Meppel um 1910
Hanna und Kalli schenken uns den letzten Rettungsring von MS GERTRUD!
Norderney - eine Familiengeschichte an Bord der MS GERTRUD 
 
Mittwoch, den 17. August legen wir morgens um 9.30 ( 1,5 Stunden vor Hochwasser) in Borkum ab. Wir das sind Dietmar, Barbara, Paul, Stefan und Peter (Skipper). Unser Ziel ist die Rassfamilie auf Norderney. Wir wollen von der Namensgeberin GERTRUD und ihrer Schwester Hanna mehr über ihre Kindheit an Bord des Motorschiffes erfahren. Die Sonne begleitet uns über das enge Wattfahrwasser zwischen Borkum und Juist. Es ist schon eine heftige Kurbelei am Ruder mit der großen GERTRUD und dem engen Prickenweg über das flache Watt! Dietmar steht vorne und weist uns den Weg - Stefan und ich am Ruder und Barbara und Paul jeweils an Backbord/Steuerbord. Gegen 12 Uhr verlassen wir das enge Juister Fahrwasser und können aufatmen. Norderney liegt in seiner schönsten Ansicht im Sonnenschein vor uns. Entlang der Tonnen ist es nun leicht in den Hafen von Norderney zu kommen. Bereits um 13 Uhr machen wir am Kai vom Yachthafen fest. Der Gerwerbehafen von Norderney ist voll mit Katamaranfahrzeugen für die Windparks, so haben wir Glück einen guten Platz bei den Yachties zu bekommen. Kaum sind unsere Leinen fest, da steht unsere Rassfamilie bereits wartend am Kai! Gertrud, Hanna, Andrea mit Kindern und weitere Personen, die wir noch nicht kennen. Der Steg wird zum Kai ausgebracht und los geht unser Treffen. Zuerst zeige ich ein wenig vom Schiff, dann meine Frage nach dem ersten bewussten Kindheitserlebnis an Bord vom Vater. Mit der modernen Technik des IPhones nehme ich alles auf, während Dietmar Fotos macht. Kaum sind unsere ersten Gäste gegangen, da kommt Imke und Maike (die Töchter von Georg). Später kommt auch noch Georg - der Sohn von G. Rass - mit Familie und erzählt vom nicht immer einfachen Beladen der MS GERTRUD! Gegen 19 Uhr ist der Besuchstag zu Ende und wir Schiffsleute gehen gemütlich zum Strand und lassen die Ereignisse passieren. Am nächsten Tag gegen 11 Uhr kommen Hanna und Kalli zum Abschied und bringen uns den originalen Rettungsring der MS GERTRUD. Wir sind ganz gerührt und betroffen von so viel Herzlichkeit und versprechen mit dem Schiff bald wieder zu kommen. Anschließend Leinen los und ab geht die Fahrt zurück nach Borkum über eine unruhige Nordsee bei wenig Wind!

2017 Leider beginnt das Jahr mit einem Schock für Traditionsschiffe! Der Verkehrsminister beschließt eine erhebliche Verschärfung der Sicherheitsrichtlinie für Traditionsschiffe. Seit Jahren setzt sich der Trend zur Angleichung an die Berufsschifffahrt nun fort und unsere Vertretung, die GSHW, läuft den Dingen immer nur hinterher! Ohne konkreten Anlass sollen jetzt alle Holztreppen durch Stahltreppen, Trennwände (Schots) aus Stahl im Vor-und Achterschiff auch bei Holzschiffen eingezogen werden, um nur einige Beispiele zu nennen! Die überwiegende Mehrzahl von diesen Schiffen sind in privater Hand oder werden von Vereinen mit erheblichen Aufwand am Leben erhalten. Der Staat stellt immer neue Anforderungen, ohne seine Aufgaben, den maritimen Erhalt der alten Schiffe auch nur ansatzweise gerecht zu werden. Weder Denkmalschutz noch Museen haben die Mittel, um die letzten Schiffe ihrer Art zu unterstützen oder zu deren Erhalt beizutragen. Dies passiert seit Jahren ungebremst, weil wir keine Lobby- im Gegensatz zu unserm holländischen Nachbarn- haben.

Auch in der Binnenschifffahrt (alle Kanäle und Flüsse) müssen ab 2017 Schiffe über 20 Meter Länge, wie die Berufsschifffahrt, ein AIS-System anschaffen und betreiben. AIS ist ein Identifikationssystem, was über GPS und Funk den aktuellen Schiffsort aller Schiffe in meinem Bereich anzeigt. Die Kosten sind erheblich und der Nutzen (weil nur Schiffe ab 20 Meter angezeigt werden) fragwürdig. Es geht überall seit Jahren immer nur um neue Auflagen und nie um Hilfen oder Kostenerleichterungen. Wir, die Eigner alter Schiffe, sind es, die das maritime Erbe unserer Region am Leben erhalten! Eine Aufgabe, die eigentlich der Staat zu übernehmen hat, um seiner Verantwortung gegenüber der Geschichte der Seefahrt und damit auch der menschlichen Arbeit an den Küsten (Fischfang etc.) gerecht zu werden!

2017/2018 GERTRUD in Weener

Nach dem kostenaufwendigem Einrichten einer AIS-Klasse-A-Navigation ist unsere GERTRUD zwar wieder fahrtauglich, aber die Urlaubskasse weit überzogen und alle! Das Treffen alter Schiffe in Leer vom 4. bis 6. August war schön, wie immer. Anschließend sind wir 10 km weiter durch die Seeschleuse in Leer nach Weener zum Traditionsschiffstreffen gefahren. Vom 8. bis 13. August wurde uns ein ganz liebevoll zusammen gestelltes Programm zu teil, was vom Wetter mit Wärme und Sonne belohnt wurde. GERTRUD öffnete den Laderaum und zeigte die Druck-Grafik-Werkstatt, was viele Besucher mit Erstaunen zur Kenntnis genommen haben. Später wurden wir, von der Gemeinde, herzlich gebeten doch mit GERTRUD zu bleiben und auch den Winter hier in Weener zu verbringen. Leichten Herzens haben wir das Angebot angenommen und öffnen nun als Dank, einmal im Monat unsere Werkstatt für Besucher. 2018 hoffen wir nun endlich wieder auf große Fahrt gehen zu können und werden in den nächsten Monaten alles Nötige dazu vorbereiten. Hoffentlich wird der Winter nicht so frostig, denn GERTRUD mag das Eis nicht so gerne. 

 

2018 in Weener und Papenburg

 

Am 6. September fahren wir zum Hafenfest nach Papenburg, was vom 7. bis 9. September stattfindet.

Die sommerliche Schönwetterperiode macht GERTRUD unter Deck ziemlich heiß! Wir müssen mit 30 bis 40 Grad am Tag fertig werden, was zum Arbeiten anstrengend ist. An Deck geht nur von 06.00 bis 10.00 Uhr täglich etwas, um notwendige Reparaturen (Rost & Farbe) zu erledigen. Trotzdem ist der Sommer einfach ein Traum und wir sind geradezu beglückt. 

Für alle, die uns in Papenburg mit unserer Kunst-Druck-Werkstatt besuchen wollen, wir sollen stadteinwärts im Kanal liegen! Mal sehen, ob GERTRUD bis dahin fahren kann. 

Die Fahrt ging einfach zu schnell! In Weener ausschleusen, 8 KM über die Ems nach Papenburg, im Verbund mit 6 anderen Schiffen einschleusen und schon sind wir im Hafen! Der für uns vorgesehene Kanal mit Brücke ist so eng, dass alle warnend schreien! Mit Geduld und Feingefühl haben Christine und Harald Gertrud per Hand ausgerichtet und ganz langsam - mit biegenden Warten - durch die Engstelle gebracht. Alles geht ganz gut und vor allem ohne Schrammen vonstatten. Jetzt liegt Gertrud im Hauptkanal direkt vor der Alten Drostei ( ein historisches Gebäude, was gerade hervorragend restauriert wurde). Am Samstag und Sonntag haben wir bis zur Erschöpfung interessierte Menschen durch unser Schiff geführt und alles gezeigt, was bei GERTRUD so unter Deck los ist!

Der Bürgermeister und andere hohe Herren der Stadt waren bei uns und haben uns gebeten mit dem schönen Schiff doch in Papenburg zu bleiben. Nach ein paar Tagen Bedenkzeit und durch gutes Zureden von Anton (Mitorganisator des Hafenfestes) bleiben wir nun hier und versuchen den Hafen für historische Schiffe wieder attraktiver zu machen. GERTRUD wird voraussichtlich bis Mai 2019 in Papenburg bleiben und dann auf die Reise zur Typomania nach Uelzen und weiter nach Berlin und Polen aufbrechen. Helfende MitfahrerInnen sind auf GERTRUD immer willkommen!

Bremen
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Lübeck
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Lübecker Bucht
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Unter vollen Segeln